Sie haben vielleicht schon gehört, dass eine Testosteron-Therapie regelmässig überwacht werden muss. Aber welche Werte werden eigentlich gemessen? Was bedeuten die Zahlen? Und wann ist ein Wert «zu hoch» oder «zu niedrig»?
Dieses Blutbild-ABC erklärt alle relevanten Laborwerte — vor Therapiebeginn und während der Behandlung. Kein Medizinstudium nötig.
Vor der Therapie: Das grosse Eingangs-Blutbild
Bevor eine TRT überhaupt beginnen darf, muss ein umfassendes Blutbild gemacht werden. Das dient zwei Zwecken: erstens die Diagnose bestätigen, zweitens sicherstellen, dass keine Gegenanzeigen vorliegen [1].
Die Kernwerte: Testosteron und Co.
| Wert | Was er zeigt | Normbereich | Warum wichtig |
|---|---|---|---|
| Gesamt-Testosteron | Gesamtes Testosteron im Blut | 10–35 nmol/L | Grundlage der Diagnose |
| Freies Testosteron | Der tatsächlich verfügbare Anteil | 225–725 pmol/L | Aussagekräftiger als Gesamt-T |
| SHBG | Bindeprotein, das Testosteron «festhält» | 10–70 nmol/L | Erklärt Abweichungen zwischen Gesamt-T und freiem T |
| LH | Steuerungshormon aus dem Gehirn | 1,5–9 IU/L | Zeigt, ob das Problem in den Hoden oder im Gehirn liegt |
| FSH | Steuerungshormon für Spermienproduktion | 1,5–12 IU/L | Wichtig für Fruchtbarkeitsbeurteilung |
| Östradiol (E2) | Östrogen beim Mann | 40–160 pmol/L | Zu viel kann Brustempfindlichkeit verursachen |
Wie wird freies Testosteron bestimmt? Die meisten Schweizer Labors messen diesen Testosteron-Blutwert nicht direkt, sondern berechnen ihn aus Gesamt-Testosteron, SHBG und Albumin. Diese Berechnung stimmt gut mit dem aufwendigen Referenzverfahren der Gleichgewichtsdialyse überein, während einfache Ersatzgrössen wie der freie Androgenindex unzuverlässig sind [3]. Steht auf Ihrem Befund «freies Testosteron, berechnet», ist das also kein Mangel an Sorgfalt. Fehlt dagegen SHBG auf dem Auftrag, lässt sich der Wert nicht sauber berechnen. Fordern Sie ihn dann nach.
Warum morgens messen? Testosteron hat einen natürlichen Tagesrhythmus: morgens ist der Wert am höchsten, abends am niedrigsten. Ein Bluttest um 16 Uhr kann 20–30 % niedriger ausfallen als um 8 Uhr — ohne dass sich tatsächlich etwas geändert hat. Wie gross dieser Abfall ausfällt, hängt allerdings vom Alter ab: Bei älteren Männern ist der Tagesrhythmus abgeflacht, der Unterschied entsprechend kleiner [6]. Deshalb gilt: Blut immer vor 11 Uhr, nüchtern [1].
Warum zwei Messungen? Ein einzelner niedriger Wert reicht nicht für eine Diagnose. Die Leitlinien verlangen mindestens zwei Messungen an verschiedenen Tagen, um Schwankungen (Stress, Schlaf, Krankheit) auszuschliessen [1]. Akuter Stress, Schlafmangel oder eine Infektion können den Testosteronspiegel vorübergehend um bis zu 50 % senken — ein einmaliger tiefer Wert ist daher nicht aussagekräftig.
Sicherheitswerte: Was ausgeschlossen werden muss
| Wert | Was er zeigt | Normbereich | Warum vor TRT? |
|---|---|---|---|
| Hämatokrit | Anteil roter Blutkörperchen | 40–52 % | TRT kann ihn erhöhen — Ausgangswert wichtig |
| Hämoglobin | Sauerstoffträger im Blut | 13–17 g/dL | Zusammen mit Hämatokrit beurteilt |
| PSA | Prostata-Marker | < 4 ng/mL | Prostatakrebs vor TRT ausschliessen |
| Leberwerte (ALT, AST) | Leberfunktion | < 50 U/L | Sicherheitscheck |
| Kreatinin | Nierenfunktion | 60–120 µmol/L | Sicherheitscheck |
| Lipidprofil | Cholesterin, Triglyzeride | Individuell | TRT beeinflusst Blutfette |
| HbA1c / Nüchternglukose | Diabetesrisiko | < 5,7 % / < 5,6 mmol/L | Diabetes und Testosteron hängen zusammen |
Warum sind diese Sicherheitswerte so wichtig? Einige davon dienen nicht nur der Sicherheitsüberprüfung, sondern liefern wichtige Hinweise auf die Ursache des Testosteronmangels. Ein erhöhter HbA1c-Wert zum Beispiel deutet auf Insulinresistenz hin — eine der häufigsten Begleiterkrankungen bei Männern mit niedrigem Testosteron. In vielen Fällen verbessert eine Behandlung der Grunderkrankung (z.B. Gewichtsabnahme bei metabolischem Syndrom) auch den Testosteronspiegel, sodass eine TRT möglicherweise gar nicht nötig wird [1].
Zusätzliche Abklärungen bei Verdacht
In bestimmten Fällen ordnet der Arzt weitere Untersuchungen an:
- Prolaktin: Erhöhte Werte können auf ein Hypophysenadenom (gutartiger Hirntumor) hinweisen, das einen sekundären Hypogonadismus verursacht
- Schilddrüsenwerte (TSH, fT3, fT4): Schilddrüsenstörungen können Testosteronmangel-Symptome imitieren
- Ferritin/Eisen: Eisenüberladung (Hämochromatose) kann die Hoden schädigen und ist eine behandelbare Ursache von Hypogonadismus
- Cortisol: Nebennierenstörungen können sich ähnlich wie Testosteronmangel äussern
Während der Therapie: Was und wann kontrolliert wird
Ist die TRT gestartet, beginnt das Monitoring — regelmässige Blutkontrollen, um sicherzustellen, dass die Therapie wirkt und keine Probleme auftreten [2].
Der Monitoring-Fahrplan
| Zeitraum | Intervall | Was wird gemessen |
|---|---|---|
| Jahr 1–2 | Alle 3 Monate | Testosteron (Talspiegel), Hämatokrit, Östradiol, PSA |
| Ab Jahr 3 | Alle 6 Monate | Testosteron, Hämatokrit, Östradiol, PSA, Lipidprofil |
| Jährlich | Zusätzlich | Grosses Blutbild, Lipidprofil, Leberwerte, Nüchternglukose |
📋 Praktische Referenz: Die komplette Liste aller benötigten Laborwerte — zum Vorzeigen beim Hausarzt oder Walk-in-Labor — finden Sie auf unserer Laborwerte-Seite.
Worauf achtet der Arzt besonders?
1. Hämatokrit — der wichtigste Sicherheitswert
Testosteron regt die Produktion roter Blutkörperchen an (Erythropoese). Das ist grundsätzlich positiv — aber zu viel des Guten macht das Blut «dicker» und erhöht das Thromboserisiko. Wenn der Hämatokrit über 52 % steigt, wird die Dosis angepasst. Über 54 % muss gehandelt werden — durch Dosisreduktion, Umstellung auf Gel oder eine therapeutische Blutspende (Phlebotomie) [2]. Patienten, die rauchen oder in grosser Höhe leben, haben bereits höhere Ausgangswerte und sollten engmaschiger überwacht werden.
2. Östradiol — das Gleichgewicht halten
Wird zu viel Testosteron in Östrogen umgewandelt (durch das Enzym Aromatase), kann das Brustempfindlichkeit, Wassereinlagerungen oder Stimmungsschwankungen auslösen. Werte über 160 pmol/L sollten aufhorchen lassen. Oft hilft eine Dosisanpassung; in seltenen Fällen verschreibt der Arzt einen Aromatase-Hemmer. Männer mit höherem Körperfettanteil haben mehr Aromatase-Aktivität und neigen deshalb eher zu erhöhten Östradiol-Werten.
3. PSA — Prostata im Blick
Der PSA-Wert wird vor und während der TRT kontrolliert. Ein leichter Anstieg unter TRT ist normal und wird erwartet. Besorgniserregend ist ein Anstieg um mehr als 1,4 ng/mL innerhalb eines Jahres oder ein absoluter Wert über 4 ng/mL — dann folgt eine urologische Abklärung [1]. Aktuelle Meta-Analysen bestätigen, dass TRT das Prostatakrebsrisiko nicht erhöht, aber bestehende Tumore können schneller wachsen. Wie klein der therapiebedingte Anstieg ist, zeigt eine Meta-Analyse von 15 randomisierten Studien mit 739 behandelten Männern: Der PSA-Wert stieg unter Testosteron im Mittel um 0,154 ng/mL stärker als unter Kontrollbehandlung, bei intramuskulärer Gabe um 0,271 ng/mL [7]. Das macht die 1,4-ng/mL-Regel plausibel — ein solcher Sprung liegt weit über dem, was die Therapie selbst erklären kann. Die Grenze dieser Daten: Die Studien liefen nur 3 bis 12 Monate, über die Prostatasicherheit nach Jahren sagen sie nichts. Mehr dazu im Ratgeber Ist TRT sicher?.
4. Talspiegel — Testosteron zum Tiefpunkt
Bei Injektionstherapien schwankt der Testosteronspiegel zwischen den Spritzen. Gemessen wird am Talspiegel — also kurz vor der nächsten Injektion. Dieser sollte im unteren Normbereich liegen (mindestens 12–15 nmol/L), nicht darunter. Liegt der Talspiegel deutlich unter 12 nmol/L, ist entweder die Dosis zu niedrig oder das Injektionsintervall zu lang.
Typische Befunde und was sie bedeuten
| Befund | Mögliche Ursache | Was tun? |
|---|---|---|
| Testosteron zu niedrig trotz TRT | Dosis zu gering oder schlechte Aufnahme | Dosis erhöhen oder Verabreichungsform wechseln |
| Hämatokrit > 52 % | Normale TRT-Reaktion, aber zu stark | Dosis reduzieren, auf Gel umstellen |
| Östradiol > 160 pmol/L | Zu starke Umwandlung (Aromatase) | Dosis anpassen, ggf. Aromatase-Hemmer |
| LH/FSH sehr niedrig unter TRT | Erwartet! TRT unterdrückt eigene Produktion | Normal, kein Handlungsbedarf |
| PSA-Anstieg > 1,4 ng/mL/Jahr | Prostata-Abklärung nötig | Urologie-Überweisung |
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Hämatokrit unter Testosteron: Wie stark steigt er wirklich?
Jede Form der Testosterontherapie hebt den Hämatokrit an, im Mittel um rund 1,4 bis 4,3 Prozentpunkte gegenüber Placebo. Das zeigt eine Netzwerk-Meta-Analyse von 29 randomisierten Studien mit 3 393 Männern [4].
| Darreichungsform | Mittlerer Anstieg des Hämatokrits | 95 %-Konfidenzintervall |
|---|---|---|
| Testosteron-Undecanoat oral | +4,3 % | 0,7–8,0 |
| Enantat/Cypionat i.m. («Testo-Spritze») | +4,0 % | 2,9–5,1 |
| Gel | +3,0 % | 1,8–4,3 |
| Testosteron-Undecanoat i.m. (Depot) | +1,6 % | 0,3–3,0 |
| Pflaster | +1,4 % | 0,2–2,6 |
Lesen Sie diese Tabelle vorsichtig. Statistisch gesichert war nur der Unterschied zwischen intramuskulärem Cypionat/Enantat und dem Pflaster; sonst fanden die Autoren keinen belastbaren Formunterschied, und die Zahlen stammen aus einem rechnerischen Netzwerk, nicht aus Kopf-an-Kopf-Studien. Der Satz «die Spritze treibt den Hämatokrit stärker als das Gel» ist damit nicht bewiesen, und die Autoren halten selbst die klinische Bedeutung des Anstiegs für offen [4].
Was Sie mitnehmen: Der Anstieg ist real, tritt bei jeder Form auf und bewegt sich in der Grössenordnung weniger Prozentpunkte. Genau deshalb zählt der Ausgangswert — wer bei 50 % startet, hat weniger Spielraum als jemand bei 43 %. Die europäische Urologen-Leitlinie empfiehlt Kontrollen nach 3, 6 und 12 Monaten, danach jährlich; über 54 % wird die Dosis reduziert oder die Therapie pausiert [8]. Mehr im Ratgeber TRT Nebenwirkungen.
Praktische Tipps für Ihre Blutabnahme
- Morgens, nüchtern, vor 11 Uhr — immer zur gleichen Zeit
- Bei Injektionen: Blut am Tag vor der nächsten Spritze abnehmen (Talspiegel)
- Bei Gel: Mindestens 2 Stunden nach dem Auftragen — oder am besten vor dem Auftragen
- Laborbefund mitbringen zur Arztkonsultation — nicht nur die Zusammenfassung, sondern die Einzelwerte mit Referenzbereichen
- Verlauf dokumentieren: Legen Sie eine einfache Tabelle an mit Datum, Testosteron, Hämatokrit und Östradiol — so sehen Sie Trends
- Gleiche Bedingungen: Versuchen Sie, immer im gleichen Labor zur gleichen Tageszeit Blut abnehmen zu lassen — so sind die Werte vergleichbar
Blutabnahme nüchtern: Warum das keine Formsache ist
Wer vor der Blutabnahme isst, riskiert einen falsch tiefen Testosteronwert. In einer Untersuchung an 74 Männern fiel der mittlere Spiegel nach einer standardisierten Zuckerlösung um 25 % ab (−4,2 nmol/L) und lag auch zwei Stunden später noch unter dem Ausgangswert (13,7 gegenüber 16,5 nmol/L). Von 66 Männern mit normalem Nüchternwert rutschten 10 mindestens einmal unter die Hypogonadismus-Schwelle von 9,7 nmol/L [5].
Zur Einordnung: Gemessen wurde eine 75-Gramm-Glukoselösung, nicht ein Frühstück. Wie stark ein Gipfeli mit Kaffee den Wert drückt, ist damit nicht beziffert. Für die Praxis reicht es trotzdem: acht bis zwölf Stunden vor der Abnahme nichts ausser Wasser. Die Autoren empfehlen ausdrücklich, einen tiefen Nicht-nüchtern-Wert nüchtern zu wiederholen.
Die richtige Tageszeit: Warum vor 11 Uhr
Der Unterschied zwischen Vormittag und Nachmittag ist messbar und reicht aus, um eine Diagnose zu kippen. Eine Erhebung an 671 Männern mit Altersdurchschnitt 61 Jahren mass zwischen 8 und 11 Uhr im Mittel 411,7 ng/dl Gesamt-Testosteron, ausserhalb dieses Fensters 368,3 ng/dl (p = 0,0003, auch nach Berücksichtigung von Alter und BMI). Am tiefsten lagen Nachmittag und Abend: 344,3 ng/dl zwischen 14 und 17 Uhr, 334,4 ng/dl zwischen 17 und 20 Uhr [6].
Zwischen 11 und 14 Uhr fand sich dagegen kein gesicherter Unterschied zum Morgenfenster. Daraus lässt sich kein Freipass ableiten: Je Mann wurde nur einmal gemessen, verglichen wurden verschiedene Personen, die Tag-zu-Tag-Schwankung blieb aussen vor. Die Empfehlung bleibt also vor 11 Uhr. Für den Verlauf zählt ohnehin weniger die perfekte Uhrzeit als dieselbe Uhrzeit bei jeder Kontrolle.
Grosses Blutbild und Testosteron-Blutwert: Was welcher Begriff meint
Ein grosses Blutbild enthält kein Testosteron. Es ist eine Zählung der Blutzellen und muss für eine TRT immer um die Hormonwerte ergänzt werden. Diese Verwechslung ist der häufigste Grund für unvollständige Befunde.
| Begriff | Was drinsteckt | Rolle bei der TRT |
|---|---|---|
| Kleines Blutbild | Hämoglobin, Hämatokrit, Erythrozyten, Leukozyten, Thrombozyten | Liefert den Hämatokrit — den wichtigsten Sicherheitswert |
| Grosses Blutbild | Kleines Blutbild plus Differenzialblutbild (Untergruppen der weissen Blutkörperchen) | Einmal jährlich als allgemeiner Sicherheitscheck |
| Testosteron-Blutwert | Gesamt-Testosteron, SHBG, berechnetes freies Testosteron | Die eigentliche Grundlage von Diagnose und Dosierung |
Umgangssprachlich meinen viele mit «Blutbild Testosteron» den ganzen Laborauftrag. Im Labor sind es zwei Anforderungen aus derselben Entnahme: das Blutbild aus dem EDTA-Röhrchen, die Hormone aus dem Serumröhrchen. Wer nur «grosses Blutbild» ankreuzt, bekommt keinen einzigen Hormonwert; wer nur Testosteron anfordert, sieht den Hämatokrit nicht und übersieht damit das Risiko, das die Therapie überwachen muss. Sie brauchen beides. Welche Zahlen als normal gelten, steht in unserer Übersicht der Testosteron-Normwerte.
Bluttest beim Hausarzt: Was auf den Laborauftrag gehört
Ja, Ihr Hausarzt kann sowohl das Eingangs-Blutbild als auch alle Verlaufskontrollen anfordern. Dafür braucht es keinen Endokrinologen, und auch Walk-in-Labore nehmen Blut ab, sofern ein ärztlicher Auftrag vorliegt.
Den Unterschied macht der Zettel, den Sie mitbringen. Bitten Sie ausdrücklich um: Gesamt-Testosteron, SHBG, freies Testosteron (berechnet), LH, FSH, Östradiol, grosses Blutbild mit Hämatokrit, PSA ab 40, Leberwerte, Kreatinin, Lipidprofil und HbA1c. Ohne SHBG ist das freie Testosteron nicht berechenbar, ohne Hämatokrit fehlt der Sicherheitswert. Genau diese beiden gehen am häufigsten vergessen. Die Liste zum Ausdrucken liegt auf unserer Laborwerte-Seite.
Bei gesicherter Indikation übernimmt die Grundversicherung die Laborkosten, Franchise und Selbstbehalt gelten wie immer; Einzelheiten im Ratgeber Krankenkasse und TRT. Nicht leisten muss der Hausarzt die Einordnung im Therapieverlauf: Talspiegel, Dosisanpassung, Hämatokrit-Management. Das übernimmt der behandelnde Arzt, zunehmend per Telemedizin.
FAQ
Welche Blutwerte muss ich vor dem Start einer TRT messen lassen? Vor Therapiebeginn sind mindestens nötig: Gesamt-Testosteron, freies Testosteron, SHBG, LH, FSH, Östradiol, Hämatokrit, Hämoglobin, PSA, Leberwerte und Lipidprofil. Alle Werte müssen an zwei verschiedenen Tagen morgens nüchtern vor 11 Uhr bestimmt werden [1].
Wie oft muss ich während der TRT Blut abnehmen? In den ersten 1–2 Jahren alle 3 Monate. Ab dem dritten Jahr bei stabilen Werten alle 6 Monate. Einmal jährlich ein grosses Blutbild mit Lipidprofil und Leberwerten. Wenn Ihr Arzt seltener kontrolliert, sollten Sie nachfragen.
Was passiert, wenn mein Hämatokrit unter TRT zu hoch wird? Ein Hämatokrit über 52 % erfordert eine Dosisanpassung. Über 54 % muss aktiv gehandelt werden — durch Dosisreduktion, Umstellung von Injektion auf Gel, oder eine therapeutische Blutspende (Phlebotomie). Ein zu hoher Hämatokrit erhöht das Risiko für Blutgerinnsel und Schlaganfall [2].
Kann mein Hausarzt die TRT-Blutkontrollen durchführen? Ja. Die Blutabnahme kann jeder Hausarzt oder jedes Walk-in-Labor durchführen. Die Kosten werden in der Regel von der Grundversicherung (OKP) übernommen. Wichtig: Geben Sie dem Hausarzt eine klare Liste der benötigten Werte mit.
Muss ich für den Testosteron-Test wirklich nüchtern sein? Ja. Eine Zuckerbelastung senkte den mittleren Testosteronspiegel in einer Untersuchung um 25 %, und 15 % der Männer mit vorher normalem Wert landeten dadurch im hypogonadalen Bereich [5]. Acht bis zwölf Stunden vor der Abnahme nur Wasser, sonst messen Sie Ihr Frühstück mit. Unsicher, ob sich der Test lohnt? Der Selbsttest dauert zwei Minuten.
Fazit
Die Blutbildkontrolle ist das Fundament einer sicheren TRT. Ohne regelmässiges Monitoring fahren Sie blind. Die gute Nachricht: Es sind nur wenige Werte, die wirklich zählen — Testosteron, Hämatokrit, Östradiol und PSA. Ein erfahrener Arzt weiss genau, worauf er achten muss.
Wenn Ihnen ein Arzt TRT verschreibt, aber kein strukturiertes Monitoring anbietet — suchen Sie einen anderen Arzt.
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Facharzt Allgemeine Innere Medizin · Medizinische Leitung
Dieser Artikel wurde von Dr. Ramadan auf medizinische Richtigkeit geprüft. Er orientiert sich am aktuellen Stand der Forschung und an internationalen Leitlinien.
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Quellen
- [1]Bhasin S et al. „Testosterone Therapy in Men With Hypogonadism: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline." J Clin Endocrinol Metab. 2018;103(5):1715-1744. PubMed
- [2]Lincoff AM et al. „Cardiovascular Safety of Testosterone-Replacement Therapy." N Engl J Med. 2023;389(2):107-117. PubMed
- [3]Vermeulen A et al. „A critical evaluation of simple methods for the estimation of free testosterone in serum." J Clin Endocrinol Metab. 1999;84(10):3666-72. PubMed
